Der Reiz der individuellen Handschrift

14.01.2017 – Katja Tränkner

Es ist mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass Kunden mit einem handschriftlichen Bekenntnis ihre Individualität und Persönlichkeit unterstreichen möchten. Unsere Gastautorin Katja Tränkner von write now widmet sich in diesem Blogbeitrag diesem Trend.

Der Reiz der individuellen Handschrift - individuelle Kalligrafie

Im Design entdeckt man im Moment wieder alte Techniken – wie den im vorausgegangenen Blogbeitrag beschriebenen Bleisatz. Es gibt eine neue Sehnsucht nach „echten“ und handgemachten Dingen. Was ist „echter“ und individueller als ein handgeschriebener Gruß, geschrieben mit einem Füllfederhalter auf einem schönen Papier?

Die Schreibschrift und mit ihr auch die Kalligrafie erleben derzeit eine Renaissance. Trotz der Kurzsichtigkeit einiger Bildungsexperten, die meinen, auf Handschrift kann man in Anbetracht der Dominanz von digitalen Medien zukünftig verzichten. In manchen Bundesländern wurde sie daher sogar schon vom Lehrplan gestrichen! Ich bin aber der Meinung, dass wir uns nicht eines unserer wichtigsten Kulturgüter nehmen lassen sollten. Keine Handschrift gleicht identisch einer anderen und ist daher Teil unserer individuellen Persönlichkeit. 

Sich persönlich angesprochen fühlen

Ein handgeschriebener Gartengruß oder ein Brief ist immer auch eine besondere Form der Wertschätzung an den Empfangenden – über eine handgeschriebene Neujahrskarte kommt ganz sicher mehr Freude auf, als über die lapidare Neujahrs-Massen-Email. In den letzten Jahren haben sich interessanterweise immer mehr Computerfonts etabliert, die handschriftliche Persönlichkeit suggerieren. Sicher erfüllen viele davon ihren Zweck, enttarnen sich aber schnell durch ihre monotonen Dopplungen und eine Gleichwertigkeit. Als gutes Gegenbeispiel ist hier die Zapfino zu erwähnen. Sie bietet in ihrer Vollversion die Möglichkeit, Buchstaben zu variieren und sorgt so für ein lebendiges Schriftbild. (siehe folgende 2 Abbildungen)Schriftbild

Schriftbild

Kalligrafie als kraftvolles Gestaltungsmittel

Kalligrafie geht noch einen Schritt weiter. Sie ist – neben ihren Bezügen zur Schrifthistorie – vorallem geprägt durch die Wahl der Werkzeuge. Hier kommen verschiedene Federarten, Pinsel und Breitwerkzeuge zum Einsatz. Das Ziel ist nicht steriler Perfektionismus und natürliche Unregelmässigkeiten sind erlaubt. Kalligrafie gekonnt eingesetzt, kann Texte zum Leben erwecken und eindrucksvolle Interpretationen entstehen lassen. Das trifft durchaus auch auf die westeuropäische Kalligrafie zu – also nicht nur auf die uns besonders faszinierende arabische und asiatische Kalligrafie. Manchmal kann sogar Lesbarkeit zugunsten des Ausdrucks vernachlässigt werden – das „Schriftbild“ hat dann Priorität. (siehe folgende Abbildung und Teasergrafik)

 



Bei einem handgeschrieben Brief geht es neben persönlichem Charakter der Schrift natürlich auch um Lesbarkeit. Vielleicht haben auch Sie Lust bekommen, Ihren Füllfederhalter aus der Schublade zu holen und einem Menschen, den sie sehr schätzen, statt zu mailen, mal einen handgeschriebenen Gruß zu senden. „Ich kann aber nicht schön schreiben“ gilt nicht. Jeder hat das Potenzial, bewußt rhythmisch zu schreiben und mit ein bisschen Übung kommen vielleicht auch Sie in einen „Schreibfluss“.

 

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